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21.11.2019 Hamburg erhält einen Platz der Kinderrechte

 

DKSB LV Hamburg

Hamburg, 21.11.2019

Kinderschutzbund Hamburg in Bewegung – große Einweihungsveranstaltung am 20.11.2019

Hamburg erhält als erste Millionenstadt einen „Platz der Kinderrechte“!

  • Einweihung des 1. „Platzes der Kinderrechte“ in Hamburg vor dem neuen Geschäftssitz des Kinderschutzbundes mit dem ersten Virtuellen Museum für Kinderrechte
  • Einweihung des neuen Standortes der Geschäftsstelle in HH-Hamm, Sievekingdamm 3, 2. OG
  • Einweihung der neuen Erziehungsberatungsstelle Burgstraße
  • Jahrestag der Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention

„Endlich haben wir – als erste Millionenstadt in Deutschland – einen Platz – also einen realen Ort für die Rechte von Kindern und wir sind besonders froh darüber, dass wir diesen Platz für Kinder und Eltern mitgestalten und mit Leben füllen dürfen!“ Mit diesen Worten eröffnete Ralf Slüter, der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Landesverband Hamburg, den großen Festakt. Mehrere hundert Gäste aus dem fachpolitischen Umfeld sowie Zuwendungsgeber und Kooperationspartner, Förderer und Spender, Mitglieder des Vereins sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kamen heute zusammen, um die Vielzahl der Anlässe zu feiern. Senatorin Dr. Melanie Leonhard hob in ihrem Grußwort die Bedeutung der UN-Kinderrechtskonvention für das Wohl aller Kinder in unserer Stadt hervor und bestärkte ihr Vorhaben, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Heinz Hilgers, der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes, betonte, dass Hamburg die erste Millionenstadt in Deutschland ist, die mit einem „Platz der Kinderrechte“ deutlich macht, wie wichtig ihr die Rechte sind. Bezirksamtsleiter Falko Droßmann verwies darauf, dass jeder Erwachsene dazu beitragen kann, dass Kinderrechte gewahrt werden, durch hinsehen, zuhören, aktiv werden und indem Kinder unterstützt werden.

Dann weihten alle gemeinsam Hamburgs 1. „Platz der Kinderrechte“ ein. Es wurde ein Straßenschild enthüllt, das an einer Lichtsäule auf dem Vorplatz des neuen Standortes der Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes den Platz kennzeichnet. Die Werbeagentur Saint Elmo´s übergab dem Kinderschutzbund die festverankerte Skulptur „The Secret Sculpture – Das erste virtuelle Museum für Kinderrechte“ mit einem QR-Code zum Thema „Kinderrechte“ als Geschenk. Auf spielerische Weise und mit modernen Medien kann sich so „jedes Kind“ (und jeder Erwachsene) über die Kinderrechte informieren. „Seit mehr als 65 Jahren setzt sich der Kinderschutzbund in Hamburg für die Rechte aller Kinder und Jugendlichen ein, für ein gewaltfreies Aufwachsen und für die altersangemessene

Beteiligung in allen sie betreffenden Angelegenheiten. Deshalb haben wir uns sehr gefreut, als uns der Bezirk Hamburg-Mitte den Zuschlag zur Einrichtung der Erziehungsberatungsstelle für die Menschen in dieser Region erteilt hat.“, so Herbert Stelter, der Vorsitzende des Hamburger Kinderschutzbundes. Fetiye Enders, die Leiterin der neuen Erziehungsberatungsstelle, betonte, dass alle Eltern in Hamburg einen Rechtsanspruch auf Erziehungsberatung haben und sie in der Erziehungsberatungsstelle ganz unkompliziert und ohne Antrag Beratung in Anspruch nehmen können. Die sehr gut ausgebildeten Berater*innen des Kinderschutzbundes helfen den Familien mit hoher Fachkompetenz und viel Erfahrung, mit schwierigen familiären Situationen besser zurecht zu kommen. Ziel ist es auch, diese Möglichkeit bei den Familien, in den Kitas und Schulen noch viel bekannter zu machen, um so noch frühzeitiger unterstützen zu können.

Die Räumlichkeiten des Kinderschutzbundes im 2. Stockwerk des Sievekingdamm 3 beherbergen die fünf Mitarbeiter/innen der Geschäftsstelle, die neue Erziehungsberatungsstelle Burgstrasse sowie die überregionalen und Ehrenamtsprojekte des Kinderschutzbundes Hamburg.

Zwei große Veranstaltungsräume an dem neuen Standort des Kinderschutzbundes ermöglichen eine vielfältige Nutzung für Schulungen, Fachtagungen und Workshops für Haupt- und Ehrenamtliche sowie für Fachleute und interessierte Bürger und Bürgerinnen zu allen Themen des Kinderschutzes und rund um Kinder und Familie.

Zwei bunte und fröhliche Tanzeinlagen der Kinder aus der Kita der Hamburger Turnerschaft von 1816 (HT 16) sowie der Grundschule Hohe Landwehr rahmten die Veranstaltung zum 30. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention, zur Eröffnung des Platzes der Kinderrechte, der Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes Hamburg und der Erziehungsberatungsstelle Burgstraße ein. Beide Einrichtungen liegen in direkter Nachbarschaft zum Kinderschutzbund.

Ihre Ansprechpartner:

Pressearbeit: presse@kinderschutzbund-hamburg.de
Christiane Straube Tel.: 432 927 – 36
Geschäftsführung: Ralf Slüter Tel.: 432 927 – 41

Der Deutsche Kinderschutzbund, Landesverband Hamburg e.V., ist ein politisch und konfessionell unabhängiger, gemeinnütziger Verein und Träger der freien Jugendhilfe. Seit seiner Gründung im Jahr 1953 engagiert er sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen, Eltern und Familien in Hamburg. Die Mitglieder wählen den ehrenamtlich tätigen Vorstand. Dieser setzt den hauptamtlichen Geschäftsführer ein. 450 Mitglieder, 89 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 450 qualifizierte Ehrenamtliche sind für den Hamburger Kinderschutzbund aktiv. Er ist einer der 16 Landesverbände im Bundesverband des Deutschen Kinderschutzbundes. Mit insgesamt über 50.000 Mitgliedern repräsentiert der Bundesverband die größte Lobby für Kinder in Deutschland. Gemeinsamer Dachverband ist der Der Paritätische.

Der Deutsche Kinderschutzbund, Landesverband Hamburg, betreibt in Hamburg zwei Kinderschutzzentren, eine Erziehungsberatungsstelle, zwei Kinder- und Familienzentren, mehrere „Frühe Hilfe“-Einrichtungen, drei Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie sieben hamburgweite Ehrenamtsprojekte.

 

 

 

 

 

 

13.11.2019 Kinderschutzbund Hamburg in Bewegung

 

 

 

DKSB LV Hamburg

Hamburg, 13.11.2019

Kinderschutzbund Hamburg in Bewegung – große Einweihungsveranstaltung am 20.11.2019

  • Einweihung des neuen Standortes der Geschäftsstelle in HH-Hamm, Sievekingdamm 3. 2. OG, ab 11.45 Uhr
  • Einweihung des „Platzes der Kinderrechte“ in Hamburg vor dem neuen Geschäftssitz
  • Einweihung der neuen Erziehungsberatungsstelle Burgstraße
  • Jahrestag der Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonventionen

Die Senatoren Dr. Melanie Leonhard und Dr. Carsten Brosda, Bezirksamtsleiter Falko Droßmann und der Präsident des Bundesverbandes des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers sprechen Grußworte. Impulse, ein abwechslungsreiches Programm und die Möglichkeit, die neuen Räumlichkeiten anzuschauen, bieten den Rahmen, bei Snacks und Getränken miteinander ins Gespräch zu kommen. Ralf Slüter, der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Hamburg, führt durch den Tag. Als Gäste wurden Vertreter der zuwendungsgebenden Behörden und Stiftungen, Kooperationspartner sowie Spender und Förderer, Mitglieder und Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen eingeladen.

Für die Pressevertreter gibt es um 10.30 Uhr die Möglichkeit, an einem vom Geschäftsführer geführten Rundgang durch die neuen Räume teilzunehmen. 

Mit dem Umzug von der Fruchtallee in HH-Eimsbüttel in den neuen angemieteten Standort direkt an der U-Bahnstation Burgstrasse trägt der Verein den wachsenden Aufgaben für benachteiligte Kinder in Hamburg Rechnung. 20% der Kinder in HH leben unterhalb der Armutsgrenze, täglich werden durchschnittlich drei Kinder von den Behörden aus ihren Familien genommen, da sie dort nicht mehr sicher und gesund aufwachsen können. Solchen Kindern und jungen Familien bietet der Kinderschutzbund mit seinen hamburgweiten Einrichtungen und überregionalen Angeboten Beratung und Unterstützung an. Außerdem setzt er sich energisch dafür ein, dass alle Kinderrechte in den Familien respektiert und gelebt werden. Die neue Erziehungsberatungsstelle steht als Anlauf- und Beratungsstelle für Familien aus dem Bezirk-Mitte, aber auch aus anderen Bezirken zur Verfügung.

Mit dem „Platz der Kinderrechte“ soll das Thema „Kinderrechte“ in der öffentlichen Kommunikation einen symbolischen Raum finden. Der Kinderschutzbundes, auf dessen Initiative der Vorplatz des Gebäudes so benannt wird, will damit ein Zeichen dafür setzen, dass alle Kinder ein Recht auf ein gesundes und sicheres Aufwachsen haben.

Mit diesem Tag will der Kinderschutzbund auch darauf aufmerksam machen, dass diese fachpolitische und soziale Arbeit nur getan werden kann, wenn sie ausreichend, z.B. durch Spenden oder ehrenamtliche Mitarbeit aus der Bevölkerung heraus unterstützt wird.

Download: Ablauf 20.11.2019Erstes virtuelles Museum

Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Hamburg e.V.
Sievekingdamm 3 – Platz der Kinderrechte
20535 Hamburg

Ihre Ansprechpartner:
Pressearbeit: presse@kinderschutzbund-hamburg.de
Christiane Straube Tel.: 432 927 – 36

Geschäftsführung:
Ralf Slüter Tel.: 432 927 – 41

Der Deutsche Kinderschutzbund, Landesverband Hamburg e.V., ist ein politisch und konfessionell unabhängiger, gemeinnütziger Verein und Träger der freien Jugendhilfe. Seit seiner Gründung im Jahr 1953 engagiert er sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen, Eltern und Familien in Hamburg. Die Mitglieder wählen den ehrenamtlich tätigen Vorstand. Dieser setzt den hauptamtlichen Geschäftsführer ein. 450 Mitglieder, 89 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 450 qualifizierte Ehrenamtliche sind für den Hamburger Kinderschutzbund aktiv. Er ist einer der 16 Landesverbände im Bundesverband des Deutschen Kinderschutzbundes. Mit insgesamt über 50.000 Mitgliedern repräsentiert der Bundesverband die größte Lobby für Kinder in Deutschland. Gemeinsamer Dachverband ist der Der Paritätische. Der Deutsche Kinderschutzbund, Landesverband Hamburg, betreibt in Hamburg zwei Kinderschutzzentren, eine Erziehungsberatungsstelle, zwei Kinder- und Familienzentren, mehrere „Frühe Hilfe“-Einrichtungen, drei Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie sieben hamburgweite Ehrenamtsprojekte.

 

 

 

 

 

 

29.04.2019 Tag der gewaltfreien Erziehung: Kinder müssen gehört und im Alltag unterstützt werden

 

 

 

 

 

 

 

DKSB LV Hamburg

Hamburg, 29.04.2019

Tag der gewaltfreien Erziehung: Kinder müssen gehört und im Alltag unterstützt werden

Zum Tag der gewaltfreien Erziehung am 30.04.2019 fordert der Kinderschutzbund Hamburg, Kinder jeden Alters bei Anzeichen von Gewalt- und Missbrauchserfahrungen in Ämtern und vor Gerichten anzuhören und ernst zu nehmen. Begleitend muss die partizipative, alltagsunterstützende Infrastruktur in Hamburg beherzt ausgebaut werden.

Seit dem Jahr 2000 haben Kinder und Jugendliche das gesetzlich festgeschriebene Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen, so heißt es in § 1631 BGB unmissverständlich, sind unzulässig. Dennoch gehören Gewalterfahrungen zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher. Nach den aktuellsten Erhebungen ist etwa jedes vierte Kind im Laufe seines Heranwachsens in unterschiedlicher Intensität, Ausprägung und Dauer von Gewalt in der Erziehung betroffen. Nur ein Bruchteil hiervon wird den Jugendämtern oder den Gesundheits- oder Strafverfolgungsbehörden bekannt. Es gibt keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass es Kindern in Hamburg schlechter gehe als in anderen Großstädten Deutschlands. Ein Grund zum Zurücklehnen sieht der Kinderschutzbund Hamburg in der Feststellung der Enquete-Kommission „Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken“ allerdings nicht.

Ein wichtiges Mittel, um kindlichen Gewalterfahrungen zu begegnen, ist die Durchsetzung des Rechts junger Menschen, in amtlichen und gerichtlichen Verfahren in allen sie betreffenden Belangen gehört zu werden. „Leider begegnet man noch sehr häufig der Haltung, Kinder könnten nicht befragt werden oder keine glaubwürdigen Aussagen zu ihrer Situation machen“, sagt Ralf Slüter, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Hamburg. „Begründet ist diese Meinung allerdings nicht. Kinder müssen gehört werden. Die Frage, ob die Situation des Kindes überprüft oder Ermittlungen aufgenommen werden, darf nicht vom Alter des Kindes abhängig gemacht werden.“ Jüngere Studien deuten darauf hin, dass nur in der Hälfte der familiengerichtlichen Sorgerechtsverfahren die betroffenen Minderjährigen gehört werden. Im Anschluss an die Empfehlungen der Enquete-Kommission plädiert der Kinderschutzbund Hamburg deshalb für entsprechende Qualifikationen und Fortbildungen von Richter*innen, Staatsanwält*innen und Verfahrensbeiständen.

Mit Blick auf Hamburg gewinnt allerdings auch die Feststellung an Bedeutung, dass man den Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit Maßnahmen eingreifender Gefahrenabwehr allein nicht gerecht wird. „Der Umstand, dass sich etwa zwei Drittel aller durch die Hamburger Jugendämter vorgenommenen Gefährdungseinschätzungen auf eine angenommene unzureichende physische oder psychische Versorgung von Kindern durch ihre Eltern bezogen, muss aufhorchen lassen“, so Prof. Dr. Johannes Richter, stellvertretender Vorsitzender des Hamburger Kinderschutzbundes. Wie sich in der Arbeit der Fachkräfte des Kinderschutzbundes tagtäglich zeigt, verbergen sich hinter Vernachlässigung als einer Art passiver Gewalt meist komplexe Unterversorgungslagen. In diesem Zusammenhang ist auf den Erhalt und Ausbau einer alltagsunterstützenden Infrastruktur hinzuwirken, die in einer Verbindung aus offenen Angeboten und individuellen Hilfen die Beteiligung von Kindern, Eltern und Leistungserbringern weiter fördert. Denn Gewaltprävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die bei den Kinderrechten ansetzen muss.

Weitere Auskünfte zu Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen sowie zu den Projekten des Kinderschutzbundes erteilt:

Ralf Slüter, Geschäftsführer,
Fruchtallee 15
20259 Hamburg
Telefon (040) 432927-41
Fax (040) 432927-47
Email: r.slueter@kinderschutzbund-hamburg.de

04.02.2019 Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken“

DKSB LV Hamburg

Hamburg, 04.02.2019

Ein wichtiger Schritt zur Versachlichung der Debatte um den Hamburger Kinderschutz ist getan – Erklärung zum Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken“

Nach zweijähriger Arbeit hat die Enquete-Kommission „Kinderschutz und Kinderrechte“ ihren Abschlussbericht vorgelegt. Der Vorstand des Hamburger Kinderschutzbundes begrüßt die aufgestellten Kernforderungen. Neben übersichtlichen Regeln brauchen Fachkräfte eine wissensbasierte, respektvolle Haltung – und couragierte Vorgesetzte und Politiker_innen, die ihnen konsequent den Rücken stärken. Denn Angst vor Fehlern untergräbt Fachlichkeit.

Der Vorstand des Hamburger Kinderschutzbundes teilt das im Abschlussbericht skizzierte Grundverständnis eines auf Respekt gründenden hilfeorientierten Kinderschutzes. Guter Kinderschutz muss mit der konsequenten Stärkung von Förderungs- und Beteiligungsrechten von Kindern und Eltern einhergehen. Er ist integraler Bestandteil der Jugendhilfe. Der Verengung auf die Abwehr von Gefahren muss entgegen gearbeitet werden.

Vor allem aber muss bei Organisation und Ausrichtung des Kinderschutzes darauf geachtet werden, dass der Gesprächsfaden mit den betroffenen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern nicht abreißt. Denn der niedrigschwellige, nicht-beschämende Zugang zu Hilfeangeboten gehört zum Kern jeder schützenden Förderung. Gerade auch in Krisensituation und bei Gefahr im Verzug muss dieser Grundsatz Beachtung finden. Die Arbeit der Einrichtungen und Projekten des Kinderschutzbundes Hamburg orientiert sich seit vielen Jahren an diesem Grundverständnis.

Mit Blick auf die Organisation des Kinderschutzes durch die bezirklichen Jugendämter bekräftigt der Vorstand die Kommissionsforderung, die Pole „Ressourcen, Regeln und Reflexion“ in ein angemessenes Verhältnis zueinander zu setzen. Dabei müssen Ressourcen so organisiert und aufgestockt werden, dass die Fachkräfte in den ASDs Zeit und Gelegenheiten haben, ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern regelhaft zu reflektieren – und zwar in deren sozialräumlichen Bezügen und neben der Arbeit an akuten Gefährdungssituationen. Regeln sind so zu fassen, dass sie einerseits die Einhaltung fachlicher Standards garantieren, andererseits die Praxis tatsächlich stützen und Möglichkeiten zur systematischen Reflexion von Fällen im Tandem oder Team garantieren. Selbstverantwortliches fallbezogenes Verstehen und Handeln darf nicht durch ein Management nach „Schema f“ ersetzt werden. Dementsprechend muss Leitungshandeln vor allem Verlässlichkeit schaffen, Orientierung vermitteln und auf die Gestaltung von „Fehlerkulturen“ im Sinne lernender Organisationen ausgerichtet sein. Denn die Angst vor Fehlern und öffentlicher Skandalisierung ist ein schlechter Berater, wenn es um die Gestaltung von „Organisationen mit hoher Zuverlässigkeit“ geht.

Auch die Zusammenarbeit mit freien Trägern und interdisziplinäre Kooperationen müssen als Austausch auf Augenhöhe verlässlich gestaltet und von wechselseitigem Respekt getragen werden. Fachlicher Dissens in der Einschätzung des Kindeswohls ist die Grundlage von Kooperationen – und nicht ihr Ende. In der Reflexion und Gestaltung entsprechenden Kooperationsstrukturen ist der Blick auch verstärkt auf gute Fallverläufe und gelungene Zusammenarbeit zu richten.

Der Kinderschutzbund Hamburg wird als verlässlicher Kooperationspartner auch zukünftig seine Expertise und tatkräftige Unterstützung in die Gestaltung eines hilfeorientierten, auf Beteiligung setzenden Kinderschutzes in Hamburg einbringen. Der Vorstand des DKSB appelliert an Bürgerschaft und Senat, den Kernempfehlungen der Enquete-Kommission engagiert und zügig nachzukommen.

Weitere Auskünfte zu den Projekten des Kinderschutzbundes Hamburg erteilt:

Ralf Slüter, Geschäftsführer
Telefon (040) 432927-41
Fax (040) 432927-47
Email: r.slueter@kinderschutzbund-hamburg.de

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Der Deutsche Kinderschutzbund, Landesverband Hamburg e.V., zeigt Haltung und macht sich täglich seit 65 Jahren mit mehr als 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, 400 Ehrenamtlichen und 450 Vereinsmitgliedern stark für ein Aufwachsen ohne Gewalt!

20.11.2018 Kinderrechte jetzt weiter stärken – in der Verfassung und in der Jugendhilfe-Praxis vor Ort!

DKSB LV Hamburg

Hamburg, 20.11.2018

Kinderrechte jetzt weiter stärken – in der Verfassung und in der Jugendhilfe-Praxis vor Ort!

Kinder haben eigene Rechte, darauf weist der Kinderschutzbund Hamburg zum Internationalen Tag der Kinderrechte am 20.11.2018 hin. Noch nie sind die Aussichten auf eine Stärkung dieser Rechte durch eine Verankerung im Grundgesetz so günstig gewesen, wie gegenwärtig. Auch in Hamburg muss jetzt mutig für eine verfassungsrechtliche Verankerung der Kinderrechte gestritten werden. In der Jugendhilfe sind mit der flächendeckenden Einrichtung von Ombudsstellen außerdem tragfähige Strukturen zu schaffen, die junge Menschen und deren Eltern bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen.

Der Deutsche Kinderschutzbund Hamburg begrüßt die klare Positionierung der Hamburger Familiensenatorin Dr. Leonhard für eine Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz. 25 Jahre nach dem Inkrafttreten der UN-Kinderrechtskonvention darf allerdings auch auf Landesebene und in der Jugendhilfe der Druck nicht nachlassen. Hessen macht es vor: 90% der Wähler_innen stimmten im Oktober d.J. einer Verankerung der Kinderrechte in der Landesverfassung zu. Hamburg ist damit das einzige Bundesland, das noch über keine entsprechende Regelung verfügt. Dieser letzte weiße Fleck auf der Landkarte konstitutioneller Kinderrechte muss verschwinden, denn nur auf dem Weg einer konstitutionellen Verankerung kann das Kindeswohl zum verbindlichen Maßstab von Entscheidungen in Politik und Justiz, beim Sorgerecht oder beim Städtebau werden.

Mit der grundrechtlichen Verankerung einklagbarer Kinderrechte ist es jedoch nicht getan. Auch und gerade die Kinder-, und Jugend- und Familienhilfe, die in besonderer Weise den Interessen junger Menschen verpflichtet ist, darf in ihren Anstrengungen nicht nachlassen, Beteiligungs-, Versorgungs- und Schutzrechte in der Hilfepraxis zu realisieren.

Große Erwartungen setzt der Deutsche Kinderschutzbund Hamburg in den Abschlussbericht der Enquete-Kommission „Kinderschutz und Kinderrechte weiter stärken“. „Im Rahmen der Kommission wurde eine Vielzahl von bemerkenswerten Vorschlägen zur Verbesserung der Kinderrechte diskutiert“, so Prof. Dr. Johannes Richter, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Hamburg. „Besonders deutlich ist geworden, dass die Hamburger Anstrengungen des vergangenen Jahrzehnts, den Kinderschutz zu stärken, nicht unbedingt zur Stärkung der Position von jungen Menschen und ihrer Familien geführt hat. Zum Teil scheinen die vorherrschenden Strukturen in den ASDs dieser Prämisse sogar im Wege zu stehen.“

Ein wichtiges Korrektiv, so zeigen Erfahrungen anderer Bundesländer, stellen hier Ombudsstellen dar ‑ unabhängige Beschwerdestellen, an die sich junge Menschen und ihre Eltern wenden können, wenn sie sich bei der Inanspruchnahme von Jugendhilfeleistungen oder Interventionen des Jugendamtes in ihren Rechten verletzt sehen. Im Oktober 2015 hat ein entsprechendes Pilot-Projekt in Hamburg-Mitte seine Arbeit aufgenommen. „Jetzt gilt es die positiven Erfahrungen aus drei Jahren Arbeit in die Fläche zu bringen“ sagt Holger Reinberg, Vorstandsmitglied des Kinderschutzbundes Hamburg und seit Anfang 2017 selbst als ehrenamtlicher Ombudsmann im Bezirk Mitte aktiv.

Der Deutsche Kinderschutzbund steht für einen hilfeorientierten Kinderschutz, der die Interessen junger Menschen nicht gegen Eltern ausspielt und Beteiligungs-, Versorgungs- und Schutzrechte immer zusammen denkt. Wir begrüßen deshalb ausdrücklich alle Vorstöße der Enquete-Kommission sowie der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) zur nachhaltigen Verbesserung der Verfahrensbeteiligung von Kindern und ihren Eltern im Bereich der Jugend- und Familienhilfe.

Weitere Auskünfte zu den Projekten des Kinderschutzbundes Hamburg erteilt:

Ralf Slüter, Geschäftsführer
Telefon (040) 432927-41
Fax (040) 432927-47
Email: r.slueter@kinderschutzbund-hamburg.de

16.11.2018 Menschen mit Armutserfahrung und Verbände fordern wirksame Bekämpfung von Kinderarmut

DKSB Bundesverband

Berlin, 16.11.2018.

Anlässlich des 13. Treffens der Menschen mit Armutserfahrung fordern die Nationale Armutskonferenz und die im „Ratschlag Kinderarmut“ zusammen-geschlossenen Verbände die Bundesregierung auf, „mit großer Priorität wirksam und zielgerichtet die Armut von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu bekämpfen“.

„Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche erfahren jeden Tag Ausgrenzung und Armut. Besonders betroffen sind Kinder, die in Familien von Alleinerziehenden leben. Knapp 40 Prozent leben mit Sozialleistungen“, berichtet Erika Biehn, Vorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV). „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Betroffene ihr letztes Hemd geben, um das Nötigste für Ihre Kinder finanzieren zu können. Das können und wollen wir nicht weiter hinnehmen!“

Maßnahmen wie die Erhöhung des Kindergeldes würden bei in Armut lebenden Familien nicht ankommen, da sie auf Leistungen wie das Arbeitslosengeld II oder den Unterhaltsvorschuss angerechnet würden, heißt es in der Erklärung. Die geplanten Reformen des Kinderzuschlags und des Bildungs- und Teilhabepakets seien unzureichend.

„Zwar wird jetzt eine Erhöhung des Schulbedarfspakets angekündigt, aber wiederum gibt es keine ordentliche Bedarfsermittlung“, kritisiert Barbara Eschen, Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz. „Wir wissen aus Studien der Diakonie, dass bis zu 200 Euro für Schulmaterial fällig sind. Es reicht nicht aus, die bisherigen 100 Euro Pi mal Daumen zu erhöhen, ohne nachzurechnen, was wirklich nötig ist.“ Außerdem müssten das schulische Mittagessen und der ÖPNV für Schulkinder kostenlos werden.

Wesentliche Probleme würden sich durch die bisherige Konstruktion der Familienförderung ergeben, so Alexander Nöhring, Geschäftsführer des Zukunftsforums Familie, der familienpolitische Fachverband der Arbeiterwohlfahrt. „Bisher bekommen nicht die ärmsten Familien die stärkste Hilfe. Ein undurchschaubares Dickicht aus Kindergeld, Kinderfreibetrag, Basiselterngeld, Kinderregelsatz, Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss sorgt dafür, dass gerade in Armut Lebende Familien ihre sozialen Rechte nicht durchsetzen können. Wir müssen die Familienförderung vom Kopf auf die Füße stellen: Dafür brauchen wir ein einheitliches Existenzminimum für alle Kinder und besondere und unbürokratische Hilfen für die, die sie am dringendsten benötigen“, so Nöhring.

„Um Kindern eine gerechtere Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen, muss das Recht auf ihr soziokulturelles Existenzminimum gesichert sein. So gibt es auch die UN-Kinder-rechtskonvention in den Artikeln 26 und 27 vor. Sprudelnde Steuereinnahmen durch die positive wirtschaftliche Lage in Deutschland und die dadurch vorhandenen Verteilungsspielräume müssen konsequenter für eine grundlegende Reform der Familienförderung genutzt werden“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, fasst zusammen: „ Bisher wurde viel angekündigt – aber wenig umgesetzt. Leistungen müssen alle Familienformen erreichen, egal ob verheiratet oder nicht, Alleinerziehende ebenso wie Familien mit vielen Kindern. Besonders wichtig ist die Infrastruktur vor Ort – vom Schwimmbad über Sozialarbeit bis hin zu Anlaufstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern, die nicht mehr weiter wissen.“

Ansprechpartnerin:
Franziska Fischer
Telefon (030) 214809-20
Fax (040) 214809-99
Email: fischer@dksb.de

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Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) – Für die Zukunft aller Kinder!
Der DKSB, gegründet 1953, ist mit 50.000 Mitgliedern in über 400 Ortsverbänden die größte Kinderschutzorganisation Deutschlands. Der DKSB setzt sich für die Interessen von Kindern sowie für Veränderungen in Politik und Gesellschaft ein. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Kinderrechte, Kinder in Armut, Gewalt gegen Kinder sowie Kinder und Medien.

05.11.2018 Familienentlastungsgesetz hilft nicht gegen Kinderarmut

 

DKSB Bundesverband

Berlin, 05.11.2018.

Anlässlich der Beratungen zum Familienentlastungsgesetz kritisiert der Kinderschutzbund (DKSB), dass das geplante Gesetz zu kurz greift und die Entlastung bei vielen nicht ankommt. Vor allem Kinder aus ärmeren Familien gehen leer aus. Ein Maßnahmenpaket, das alle Familien entlastet, muss das Problem der Kinderarmut entschlossen angehen.

Für fast jedes vierte Kind in Deutschland zahlt der Staat Sozialleistungen zur Sicherung des Existenzminimums. Rechnet man die verdeckte Kinderarmut hinzu ist es sogar jedes dritte Kind. Deshalb muss die Verringerung von Kinderarmut oberstes Ziel der Bundesregierung sein, fordert der DKSB. Über das Familienentlastungsgesetz beraten am heutigen Montag der Finanzausschuss sowie am 08.11.2018 abschließend der Deutsche Bundestag. Nach Ansicht des DKSB sind die geplanten Maßnahmen zwar grundsätzlich für viele Familien zu begrüßen, allerdings völlig ungeeignet, um das drängende Problem der Kinderarmut zu lösen.

„Genau hier versagt das Entlastungspaket. Das Kindergeld und den steuerlichen Kinderfreibetrag anzuheben kostet den Staat viel Geld, und viele Familien können sich darüber auch freuen“, sagt Heinz Hilgers, Präsident des DKSB. „Das Problem ist aber: An Kindern in Armut und Familien, die Hartz IV, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, gehen die geplanten Maßnahmen komplett vorbei. Bei ihnen wird das erhöhte Kindergeld mit der jeweiligen Leistung verrechnet, also direkt wieder abgezogen.“

Damit geht die Schere zwischen Arm und Reich in der Familienförderung weiter auseinander. Familien mit höherem Einkommen werden bereits jetzt über den Freibetrag um bis zu 100 Euro mehr entlastet als Familien der unteren und mittleren Einkommensgruppen über das Kindergeld. Für die Jahre 2019/2020 sieht der Gesetzentwurf vor, dass Familien mit unteren Einkommen über das Kindergeld insgesamt 180 Euro zusätzlich für beide Jahre erhalten. Familien mit sehr hohem Einkommen werden über den Kinderfreibetrag jedoch im gleichen Zeitraum um bis zu 273 Euro entlastet.

Dazu DKSB-Präsident Hilgers: „Maßnahmen, die wirklich etwas gegen Kinderarmut ausrichten könnten, hat die Bundesregierung immer noch nicht in Angriff genommen, wie etwa eine umfassende Reform des Kinderzuschlags oder des Bildungs- und Teilhabepakets. Dabei steigt die Kinderarmut trotz hervorragender Wirtschaftsdaten und niedriger Arbeitslosigkeit seit fünfzehn Jahren kontinuierlich an. Deshalb sind wir für einen kompletten Umbau der Familienförderung und für die Einführung einer Kindergrundsicherung. Diese Idee findet auch zunehmend in der Politik Unterstützung.“
Im Bündnis Kindergrundsicherung fordert der DKSB gemeinsam mit 13 anderen Verbänden und 13 renommierten Wissenschaftler*innen eine am kindlichen Existenzminimum ausgerichtete Kindergrundsicherung von 619 Euro im Monat.
Mehr Informationen dazu unter www.kinderarmut-hat-folgen.de

Ansprechpartnerin:
Franziska Fischer
Telefon (030) 214809-20
Fax (040) 214809-99
Email: fischer@dksb.de

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Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) – Für die Zukunft aller Kinder!
Der DKSB, gegründet 1953, ist mit 50.000 Mitgliedern in über 400 Ortsverbänden die größte Kinderschutzorganisation Deutschlands. Der DKSB setzt sich für die Interessen von Kindern sowie für Veränderungen in Politik und Gesellschaft ein. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Kinderrechte, Kinder in Armut, Gewalt gegen Kinder sowie Kinder und Medien.

 

25.10.2018 „Elternschule“: Kinderschutzbund zu der umstrittenen Erziehungs-Doku

DKSB Bundesverband

Berlin, 25.10.2018.

In der Debatte um die Dokumentation „Elternschule“, die seit kurzem in deutschen Kinos läuft, bezieht der Kinderschutzbund (DKSB) Position. Nach Ansicht des Verbandes enthält der Film, der in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen gedreht wurde, zahlreiche Szenen, in denen Kinder psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt sind. In seiner Stellungnahme appelliert der DKSB an alle Bürger*innen, für das Recht auf gewaltfreie Erziehung einzutreten.

Der Film „Elternschule“ dokumentiert die Behandlung psychosomatisch erkrankter Kinder und Kleinstkinder. Nach Einschätzung des DKSB zeigt er einige verzweifelte Mütter, die in der Klinik lernen, dass eine Eltern-Kind-Beziehung eine Kampfbeziehung ist und dass sie möglichst hart zu ihren Kindern sein sollen. Einzelne Kinder werden zudem als „egoistische Strategen und Taktiker“ öffentlich vorgeführt.

Nach Ansicht des DKSB basiert eine die Entwicklung fördernde Erziehung auf Schutz, Beteiligung und der Berücksichtigung des kindlichen Willens, und nicht auf der machtvollen Durchsetzung der Eltern gegenüber ihren Kindern. Das Recht auf gewaltfreie Erziehung ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben. „Verhalten sich Eltern gegenüber ihren Kindern so wie das Klinikpersonal in dem Film, dann ist das rechtswidrig“, konstatiert Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers. „Auch den Mitarbeiter*innen von Kitas und Schulen ist ein solches Verhalten verboten und kann rechtliche Konsequenzen haben.“

Der Kinderschutzbund will nicht in Abrede stellen, dass die im Film gezeigten Kinder und ihre Eltern in großer Not sind und intensive Unterstützung benötigen. Über den gewaltvollen Charakter vieler Szenen kann der Verband aber nicht hinwegsehen. „Die in den Film gezeigten Behandlungsmethoden können keinesfalls Vorbild für die Erziehung von Kindern in Deutschland sein“ sagt Prof. Dr. Sabine Andresen, Vizepräsidentin des DKSB sowie Kindheits- und Familienforscherin. „Diese Praktiken führen zu einer Verunsicherung von Eltern im Umgang mit ihren Kindern.“

Ob die angewandte psychische und physische Gewalt im Rahmen der Verhaltenstherapie in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen zur Behandlung psychosomatischer Erkrankungen zulässig und notwendig ist oder einen Anfangsverdacht der Misshandlung Schutzbefohlener nach § 225 StGB darstellt, muss von der zuständigen Staatsanwaltschaft geprüft und durch das Gericht entschieden werden. Für Eltern, die Unterstützung bei einer anleitenden, gewaltfreien Erziehung benötigen, gibt es zahlreiche Hilfsangebote der Kinder- und Jugendhilfe, auch vom Kinderschutzbund. Dazu gehören etwa Elternkurse, Erziehungsberatung und sozialpädagogische Familienhilfe. Wer sich über passende Hilfsangebote informieren möchte, kann sich an das bundesweite, kostenlose Elterntelefon unter der Nummer 0800 111 0550 wenden.
Die komplette Stellungnahme finden Sie auf www.dksb.de/de/ueber-uns/stellungnahmen

Ansprechpartnerin:
Franziska Fischer
Telefon (030) 214809-20
Fax (040) 214809-99
Email: fischer@dksb.de

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Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) – Für die Zukunft aller Kinder!
Der DKSB, gegründet 1953, ist mit 50.000 Mitgliedern in über 400 Ortsverbänden die größte Kinderschutzorganisation Deutschlands. Der DKSB setzt sich für die Interessen von Kindern sowie für Veränderungen in Politik und Gesellschaft ein. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Kinderrechte, Kinder in Armut, Gewalt gegen Kinder sowie Kinder und Medien.

 

20.09.2018 Mogelpackung Bildungs- und Teilhabepaket - Halbvoll ist halbleer, wenn es um Bildung geht

DKSB LV Hamburg

Hamburg, 20.09.2018

Zum diesjährigen Weltkindertag am 20. September 2018 fordert der Kinderschutzbund Hamburg das Bildungs- und Teilhabepaket bedarfsgerecht auszugestalten und endlich wirksame Maßnahmen zum Ausgleich sozialer Ungleichheit im Bildungswesen einzuleiten.

Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hängt immer noch zu stark von der sozialen Herkunft ab. Gegenwärtige Förderinstrumente wie das Bildungs- und Teilhabepaket können die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen, die in Armut aufwachsen, nicht ausgleichen. Im Paket enthalten ist ein Schulbedarf von 100 Euro, der tatsächliche Bedarf ist aber oft mehr als doppelt so hoch. Familien in höheren Einkommensgruppen sind in der Lage bis zu drei Mal so viel in die Bildung ihrer Kinder zu investieren.

Hinzu kommt, dass deutlich mehr Eltern als bisher angenommen aus Scham oder aufgrund bürokratischer Hürden die Fördermöglichkeiten aus dem Bildungs- und Teilhabepaket nicht in Anspruch nehmen. Gleiches gilt für sogenannte „aufstockende Leistungen“ oder Kinderzuschläge. Aktuelle Zahlen für das Bundesgebiet belegen, dass nur etwa 50% aller Kinder, deren Eltern kein ausreichendes Einkommen erzielen, von solchen Leistungen profitieren und lediglich 15% der anspruchsberechtigten Kinder im Alter von 6-15 Jahren erhalten finanzielle Unterstützung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Für Hamburg liegen keine konkreten Zahlen vor. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass auch in der Hansestadt mehrere tausend Kinder und Jugendliche leer ausgehen und in der Folge mit gravierender schulischer Benachteiligung kämpfen müssen.

Mit wachsender Sorge beobachten die Mitarbeiter*innen des Kinderschutzbundes Hamburg die konkreten Auswirkungen sozialer Ungleichheit in der schulischen Bildung: „Einige unserer Besucherinnen beschäftigen sich vor Schulreisen mehr mit der Frage der Machbarkeit der Finanzierung durch ihre Elternteile als ihre kindliche Aufregung genießen zu können“, berichten Anne Krüger und Christina Baumbusch aus dem Mädchentreff Ottensen. „Auch eine dringend benötigte Nachhilfe können sich viele Familien nicht leisten. Unser schulisches Unterstützungsangebot ist völlig überlaufen. Wir erhalten regelmäßig Nachfragen von Eltern, da die Kosten herkömmlicher Nachhilfeangebote für sie nicht tragbar sind.“

Die anstehende Reform des Kinderzuschlags muss deshalb durch eine Reform des Bildungs- und Teilhabepakets flankiert werden. Bürokratische Hürden sind abzubauen und die Höhe der Leistungen ist den tatsächlichen Bedarfen anzupassen. Die dafür notwendigen Mittel müssen verbindlich im Bundeshaushalt eingestellt werden.

Eine bloße Nachbesserung ungeeigneter Maßnahmen greift jedoch zu kurz: „Das Bildungs- und Teilhabepaket stigmatisiert Kinder, weil es sie immer wieder dazu zwingt, sich in Schule und Freizeit als arm zu outen“ warnt DKSB-Präsident Heinz Hilgers. „Bildung ist ein wichtiges Kinderrecht und sollte allen Kindern gleichermaßen zugutekommen. Hierfür müssen Kindern und Jugendlichen grundlegende Schulmaterialien kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Hundert Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket reichen nicht aus“, so Hilgers.

Perspektivisch fordert der DKSB-Bundesverband deshalb gemeinsam mit 13 Verbänden und wissenschaftlichen Unterstützer*innen die Einführung einer einfachen und unbürokratischen Kindergrundsicherung, die eine Vielzahl von Leistungen zusammenfasst und sich an neu berechneten tatsächlichen Bedarfen von Kindern orientiert.
Teilhabe und schulische Bildung aller Kinder dürfen keine leeren Versprechen bleiben!

Weitere Auskünfte zu den Projekten des Kinderschutzbundes und zur Bildungsbenachteiligung der begleiteten Kinder und ihrer Familien erteilt:
Ralf Slüter, Geschäftsführer
Telefon (040) 432927-41
Fax (040) 432927-47
Email: r.slueter@kinderschutzbund-hamburg.de

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